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In einem Leben in einer anderen Welt

Wo bin ich? Von einem zum anderen Augenblick wechselte meine Wahrnehmung und meine physikalische Umwelt. Ich schaue umher doch alles fremd aus der Realität gerissen. Groteske Farben ohne jede Harmonie dringen unaufhaltsam in mein Hirn und erzeugen eine Bilderflut die mich erzittern macht. Ein Schritt nach vorne erscheint wie ein Fortbewegen in einem sich der Schwerkraft widersetzenden Raum.

Alle Dimensionen sind aufgehoben ich stolper — nein Schwebe vielmehr — durch die Landschaft die mir unbekannt erscheint wie dem Säugling die Welt. Der Versuch meine Gedanken zu ordnen mich zu erinnern was geschehen ist bleibt mir verwehrt. Wie neu geboren fühle ich mich und ein sonderlicher zutiefst bestialischer Gestank betäubt beinahe meinen Verstand.

Umblickend versuche ich den Ursprung der stinkenden Schwaden auszumachen und entdecke urplötzlich überall in meiner Sichtweite verrottende Kadaver die in einem lila-rot langsam vor sich hinfaulen. Die Galle schießt mir in den Mund und ich erbreche Klumpen um Klumpen einer nicht mehr erkennbaren Mahlzeit.

Aus meinem Mund gewürgt vermischt sich das Erbrochene mit den Körpern die verstreut auf ihre Auflösung warten. Mein Ausfluß verteilt sich in alle vier Himmelsrichtungen und überall dort wo einer der ekelhaften Kotzbrocken auf ein fauliges Hindernis trifft verdampft es mit einem sinistren Zischen. Sämtliche Dimensionen scheinen aufgehoben nicht zu gelten Raum und Zeit verloren.

Wie soll ich nur mein Panorama beschreiben? Ein Diorama ohne Vegetation in den schillernsten und skurrilsten Farben welche ich zuvor noch nie gesehen habe obwohl das krankhaft aussehende Fleisch die dominierende Farbe darstellt. Überall liegen hängen und schweben sie. Ihre Körper weisen alle ein weit fortgeschrittenes Stadium der Verwesung auf. Daher ist es mir unmöglich mit Gewißheit zu bestimmen welcher Spezies sie zugehörig waren: Tier Mensch oder… kann es nicht feststellen nur der Gestank ist eindeutig identifizierbar.

Ich schreie! Merke wie meine Worte aus meiner Kehle heraus gedrückt werden jedoch vernehme ich keinen Laut. Habe ich mein Gehör verloren oder läßt dieser Ort keine Art von Geräusch zu? Zweite Theorie scheint mir naheliegend doch das Vermissen sämtlicher Geräuschkulisse bestärkt mich nicht sonderlich zu dieser Annahme. Wenn ich nur wüßte was geschehen ist. Ich kann mich an nichts mehr erinnern weiß nur zuvor war meine Existenz anders mein Lebensraum weniger grauenerregend.

Wer war ich? Wer bin ich? Plötzlich bemerke ich ein Nichtvorhandensein meiner Extremitäten und stelle fest ich selbst bin einer der stinkenden Kadaver.

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